An der Scholle kleben? Frauen in ländlichen Räumen am Beispiel Mecklenburg-Vorpommern  

Wie leben und wie fühlen sich Frauen auf dem Land in Mecklenburg-Vorpommern? Welche Kriterien sind ausschlaggebend, wenn es darum geht, in ländlichen Räumen MVs zu bleiben oder aber zu gehen? Wie nehmen Frauen ihr Dorf wahr und welche Rolle spielen die städtischen Räume dabei?

Diesen Fragen ist Melanie Rühmling in ihrem Vortrag in unserer Online-Reihe zur Neuen Ländlichkeit am 5.September 2022 anhand von Fallbeispielen nachgegangen.

Die Videoaufzeichnung dazu finden Sie hier: https://www.anstiftung-mv.de/material/MAS_Neue-Laendlichkeit_22-09-05.mov

Die PowerPoint-Präsentation können Sie hier downloaden: https://www.landblog-mv.de/wp-content/uploads/2022/09/Ruehmling_Neue-Laendlichkeit-05-09-2022.pdf

Die Referentin Dr. Melanie Rühmling ist Gründungsmitglied des Rostocker Instituts für Sozialforschung und gesellschaftliche Praxis e.V. – kurz ROSIS. Hier forscht sie aktuell zur Bedeutung von sozialen Beziehungen im Entscheidungsprozess des Bleibens in Kleinstädten. Im Herbst erscheint ihre Dissertation im transcript Verlag zum Thema Bleiben in ländlichen Räumen – Bleibenslebensweisen am Beispiel von Frauen aus ländlichen Räumen in Mecklenburg-Vorpommern.

Mehr Informationen: https://rostocker-institut.org/

Ein Gedanke zu „An der Scholle kleben? Frauen in ländlichen Räumen am Beispiel Mecklenburg-Vorpommern  

  1. Sehr geehrte Frau Dr. Rühmling, sehr geehrter Herr Dr. Schmidt, danke für den interessanten Vortrag und das folgende Gespräch. Ich möchte mich nur zu einem Aspekt Ihres Gesprächs äußern: das Erben von Immobilien auf dem Land wegen der hohen Übersterblichkeit. Sollte ein Einfamilienhaus geerbt werden dürften die Kosten für eine I.d.R. anstehende Modernisierung ja noch halbwegs überschaubar sein. Energetische Modernisierungen sind seit Jahren gesetzlich zumindest teilweise gefordert, dennoch wurden und werden immernoch Gasheizungen eingebaut mit denen nun die alten und ggf. neuen Eigentümer ein Problem haben. Die Holzheizung ist im Normalfall nur ein ergänzender Kaminofen. Damit ist der Heizenergiebedarf des Hauses nicht abzudecken. Holz als Rohstoff steht den meisten Landbewohnern eher nicht zur Verfügung. Sollten sie auch ein kleines Stückchen Wald erben müßten sie den Umgang damit erst wieder erlernen. Der Begriff der Nachhaltigkeit kommt ja aus der Forstwirtschaft. Vielleicht kann sich hier wieder ein kleiner lokaler Stoffkreislauf bilden. Das wird aber nur für die Waldbesitzer zutreffen.
    Die müssen sich sowieso um den Waldumbau aus Klimagründen kümmern!
    Das größere Problem hatten Sie mit den hohen Sanierungs- und späteren Betriebskosten angesprochen. Da kann es sich für Erben eigentlich nur um das Wohnhaus drehen. Nebengebäude oder Scheunen sind i.d.R. zu groß oder meist in einem desolaten Zustand, sofern Sie überhaupt noch vorhanden sind. Die sind von Erben nicht zu finanzieren, sofern sie keinen erheblichen Eigenanteil beibringen können.
    Eine historisch wertvolle Substanz, die das Dorfbild prägt oder ein eingetragenes Denkmal darstellt dürfte für viele Erben nicht finanzierbar sein, wenn sie kein überdurchschnittliches Einkommen haben und Steuern für eine Denkmalinstandsetzung abschreiben können. Dieses Einkommen wird im ländlichen Raum von M-V in seltenen Ausnahmen erzielt.
    Was bleibt den Erben übrig? Sie müssen sich entscheiden.
    Diese Entscheidung führt nach längerer Abwesenheit eher zum Verkauf. Die emotionale Bindung allein genügt eben nicht. Meine Erfahrung ist das Menschen mit Kapital „aus der Stadt“ sich interessieren und das alte Haus (vielleicht ein Hallenhaus) retten können. Dann dürfte dem Denkmal geholfen sein und vielleicht das Ortsbild gerettet sein. Die Dorfgemeinschaft hat hoffentlich ein neues Mitglied. Von Sozialneid möchte ich hier nicht reden.
    Mir ist ein Aspekt aber sehr wichtig. Die Hausbesitzer und Dorfgemeinschaften müssen viel stärker die lokalen Energien nutzen. Bei Photovoltaikanlagen scheint der augenblickliche Gaspreis Wirkung zu zeigen. PVA nicht nur auf Wohnhäusern sind das Gebot der Stunde. Andere Energiequelle wie Biogas und Holz gehören auch dazu und auch auf Denkmalen!
    Wenn die großen Windparks inzw. unsere Landschaft prägen müssen die Bewohner auch am Nutzen beteiligt werden. Nicht zuletzt, die kleine Wasserkraft, wenn sie auch energetisch nach Ansicht der Landesregierung, inclusive Klimaschutz- und Umweltministerium, unbedeutend soll, erlaubt werden Strom für den Eigenbedarf und die Nachbarn zu erzeugen.
    Jede Nutzung lokaler Ressourcen hilft!
    So können die Betriebskosten gesenkt werden. Den Hauseigentümern wird geholfen und die übriggebliebenen Dorfbilder können vielleicht gerettet werden. Die Bewohner können unabhängiger von fremder Energie werden und so kann ein großer Vorteil für die Zukunft erzielt werden. Wie anfänglich gesagt, ist das nur meine Meinung zu einem Aspekt Ihres Gespräches könnte aber für die gemeinsame Zukunft auf dem Dorf hilfreich sein.

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