Weggehen und Ankommen: Gutswirtschaft und Migrationsgeschehen im 19. und 20. Jahrhundert in Mecklenburg und [Vor-]Pommern

Vertriebene in Schloss Kotelow bei Friedland 1946

 

 

 

 

 

Die Europäische Akademie lädt ein im Rahmen der Veranstaltungsreihe:

Gutsanlagen, Herrenhäuser, Schlösser und Parks:
Denkmale in der Geschichts- und Kulturlandschaft
Mecklenburg-Vorpommern

Seminar und Exkursion
vom 24. bis 26. April 2020 in Waren (Müritz)

in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft Erhaltung und Nutzung der Gutsanlagen in Mecklenburg-Vorpommern e.V. und dem Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Vorwort
„Als bedrohliche Ausnahmesituation […] erlebt die Gegenwart nur, wer die Geschichte nicht kennt, in der die Bewegung von Menschen über Grenzen und die Begegnung ihrer Kulturen nicht Ausnahme, sondern die Regel waren. Räumliche Bewegung und kulturelle Begegnung standen dabei, soweit dies in friedlicher Absicht geschah, meist für Ergänzung und Bereicherung, Ab- und Ausgrenzung hingegen oft für Armut und Gefahr.“ (Klaus J. Bade)
In der Tat, die Geschichte der Menschheit ist eine unendliche Geschichte von Ein- und Auswanderung. Das gilt auch für Mecklenburg-Vorpommern sowie für die Menschen, die dort leben und beheimatet sind. Wir alle stammen von Migranten ab, weshalb es auch keinen Sinn macht, die Menschen in Einheimische und Fremde zu unterscheiden.
Nicht erst seit der deutschen Ostsiedlung im Hochmittelalter in die Randgebiete des Heiligen Römischen Reiches ist das Territorium zwischen der Elbe im Westen und der Oder im Osten ein Zuwanderungsgebiet. Die Einwanderer trafen damals auf Menschen, die seit der Völkerwanderung hier lebten und ebenfalls schon Vorgänger hatten. Gemeinsam machten sie das Land urbar, gründeten sie Dörfer und Städte und veränderten nachhaltig die Rechtsstrukturen. Sie schufen eine völlig neue und gleichzeitig einmalige Geschichts- und Kulturlandschaft.
Die Mecklenburger und Pommern erwiesen sich nicht nur als arbeitsam und rechtschaffen, sondern auch als bodenständig. Aber die Entstehung und volle Entfaltung der Gutsherrschaft mit leibeigenen Bauern, die als Erbuntertanen ein Leben in Armut und Unfreiheit fristeten, führte nach der Aufhebung der Leibeigenschaft im 19. Jahrhundert zur massenhaften Auswanderung der Gutsuntertanen nach Übersee, vor allem nach Nordamerika, insbesondere in die USA, aber auch nach Südamerika und nach Australien. Überall dort, wo sie sich niederließen, machten sie durch Fleiß und Moral, Schöpferkraft und Gemeinsinn sowie durch andere Tugenden ihrer ethnischen Herkunft alle Ehre.
Der Auswanderung aus Mecklenburg und Pommern folgte seit dem Ende des 19. Jahrhunderts mehr und mehr die Zuwanderung aus den landwirtschaftlich geprägten Ostprovinzen des Deutschen Kaiserreiches sowie aus Russland und nach 1919 auch aus dem wiederentstandenen Polen. Sie fanden vornehmlich in Pommern und in beiden Mecklenburg als Saisonarbeiter „Lohn und Brot“.
Rund 14 Millionen Deutsche kamen von 1945 bis 1948 durch Flucht und Vertreibung aus den deutschen Ostgebieten sowie aus Ost- und Südosteuropa in die vier Besatzungszonen; 980.000 davon nach Mecklenburg-Vorpommern. Viele wurden in den Herrenhäusern und Wirtschaftsgebäuden der zahlreichen Güter des Landes einquartiert.
Als jedoch die Nachkriegszeit vorüber war, ging das Migrationsgeschehen auf deutschem Boden weiter; zunächst als Binnenmigration von Ost nach West und dann als Zuwanderung in der Bundesrepublik Deutschland seit 1955 und in der DDR seit Ende der 1960er Jahre sowie im vereinten Deutschland seit 1990. Deutschland ist de facto ein Einwanderungsland (!), aber über ein Gesetz, das die Zuwanderung für die Betroffenen regelt, wird seit fünfzig Jahren im Bundestag gestritten.
Die Ausstellung Adliges Leben im Baltikum – entstanden in Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Kulturforum östliches Europa Potsdam und dem Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung Marburg – umrahmt unsere Jubiläumstagung.
Dr. Günter Kosche, Freier Mitarbeiter der Europäischen Akademie MV

Freitag, 24.04.2020

09.00 – 09:20 Uhr Zwanzig Jahre geschichtskulturelle Erinnerungsarbeit –
Gutsanlagen, Herrenhäuser Schlösser und Parks in
Mecklenburg-Vorpommern im Wandel der Zeit:
Rückblick – Einblick – Ausblick
Andreas Handy, Vorsitzender der Europäischen Akademie MV

09:20 – 09:35 Uhr Grußwort der Arbeitsgemeinschaft Erhaltung und Nutzung der Gutsanlagen in MV
Rolf-Peter Bartz, Vorsitzender der AG Gutsanlagen M-V, Tellow

09:35 – 09:45 Uhr Grußwort des Heimatverbandes Mecklenburg-Vorpommern

09:45 Uhr Kaffee-/Teepause

10:15 – 10:45 Uhr „WIR ALLE STAMMEN von Migranten ab!“
Auch die Mecklenburger und die Pommern?
Dr. Günter Kosche, Geschichtsdidaktiker, Neu Broderstorf

11:00 – 12:00 Uhr Die Auswanderung nach Amerika aus Mecklenburg im
19. Jahrhundert und ihr Platz in der Wanderungsgeschichte Mecklenburgs und Pommerns
Dr. Axel Lubinski, Historiker, Cammin

12:00 Uhr Mittagspause

13:30 – 15:35 Uhr Migration durch Heirat im Hochadel von Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz

13:30 – 14:30 Uhr Helene Luise Elisabeth, Herzogin zu Mecklenburg-
Schwerin, und Ferdinand, Herzog von Orléans: Von Liebe (k)eine Spur?
Dr. Bettina Gräfin de Cosnac, Journalistin/Schriftstellerin, Paris

14:35 – 15:35 Uhr Prinzessin Sophie Charlotte, ihre Diener und ein neues Leben in Großbritannien
Sandra Lembke, Sozialpädagogin/Schriftstellerin, Neustrelitz

15:35 Uhr Kaffee-/Teepause

16:00 – 17:00 Uhr US-Amerikaner auf den Spuren ihrer Vorfahren in Mecklenburg und Vorpommern
Karl-Heinz Steinbruch, Historiker und Archivar, Schwerin

17:15 – 18:30 Uhr Podiumsdiskussion
Kommen und Gehen zwischen individueller Entscheidung
und politischer Steuerung – Migration in Mecklenburg-Vorpommern seit 1990
Ort: Terrasse im Außenbereich der Europäischen Akademie
Impulsvortrag: Dr. Wolf Schmidt, Historiker und Autor, Dobin am See
Podiumsgäste:
Dr. Jochen Corthier, Demograph, Landesamt für innere Verwaltung,
Dagmar Kaselitz, MdL, Sprecherin für Integration, Migration und Entwicklungspolitik der
SPD-Landtagsfraktion,
Dr. Wolf Schmidt, Historiker, Dobin am See,
Thomas Littwin, GF Verbund für Soziale Projekte,
Prof. Dr. Nikolaus Werz, Institut für Politik- und Verwaltungswissenschaften der Universität Rostock
Dr. Günter Kosche – Moderation

18:30 Uhr Abendessen

20:00 – 21:00 Uhr „Das Freisein ist schon ein paar Eimer Schweiß wert.“
Überseeische Auswanderung im 19. Jahrhundert im Spiegel der norddeutschen Literatur
Dr. Cornelia Nenz, Neustrelitz

Samstag, 25.04.2020

07:30 Uhr Frühstück

08:30 – 09:10 Uhr Adliges Leben im Baltikum – Herrenhäuser in Estland und Lettland
Dr. Agnese Bergholde-Wolf, Herder-Institut für Ostmitteleuropaforschung Marburg

09:15 – 10:00 Uhr Ein Italiener wird Schwede, Preuße und schließlich Mecklenburger – Oberhofküchenmeister Gaetano (Gustav) Medini (1772 – 1857)
Dr. Wolf Karge, freier Publizist und Autor, Schwerin

10:00 Uhr Kaffee-/Teepause

10:30 – 11:15 Uhr „Einmal hin, einmal her…“:
Transatlantische Aus- und Einwanderung von und nach Mecklenburg und
[(Vor-)Pommern] – Fallbeispiele
Dr. Angelika Halama, Geografin, Buxtehude

11:30 – 12:15 Uhr Hirtenkaten und Mietwohnen auf dem Lande:
gestern – heute – morgen
Henry Gawlick, Historiker, Direktor des Museums für
Alltagskultur der Griesen Gegend in Hagenow

12:15 Uhr Mittagessen

14:00 – 15:00 Uhr Das „alte“ Gutshaus und die neue Dorfmitte –
Funktion von Herrenhäusern und Gutsanlagen in
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
Prof. Dr.-Ing. Henning Bombeck, Universität Rostock

15:15 – 15:45 Uhr Gutshaus Hugoldsdorf:
Den Menschen Wohnraum geben und das Dorf beleben
Gottfried Stockmar, Heilpädagoge und freiberuflicher Dozent

15:45 Uhr Kaffee-/Teepause

16:15 – 17:00 Uhr Gutsanlage Frankenthal Impulsgeber für ein gutes Leben auf dem Lande:
regional – nachhaltig – weltoffen – tolerant – sozial
Elke Neugebauer, Vereinsvorsitzende LebensGut Frankenthal

17:15 – 18:00 Uhr Domänengutshaus Garvensdorf:
Anregungen für die soziale und kulturelle Belebung des ländlichen Raumes
Dr. Holger Meier, Vorstandsmitglied des Vereins, Clausthal

18:15 Uhr Seminarauswertung
Ronald Henze/Dr. Günter Kosche

18:30 Uhr Abendessen

Tagungsgebühr/Seminar Tagungsgebühr/Exkursion
im Zweibettzimmer: 105,00 € im Zweibettzimmer 80,00 €
im Einzelzimmer: 115,00 € im Einzelbettzimmer 90,00 €
Tagesgäste: 65,00 € Tagesgäste 35,00 €

Näheres – auch zum Exkursionsprogramm der Veranstaltung – auf der Website der Europäischen Akademie

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